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Manuela Hoffmann

Herbsttag

Veröffentlicht am 24.09.2018

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Draußen stürmt es, Blätter und Äste werden durch die Luft gewirbelt. Ich merke, dass ich langärmlige Pullover und Jacken doch sehr gern mag. Vielleicht sogar lieber als die kurzen Hosen der vergangenen Wochen. Nun ist der Herbst da und wie jedes Jahr freue ich mich über dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke. In diesem Jahr findet besonders dieses "Der Sommer war sehr groß" lange Widerhall in meinem Kopf.
Vertont gibt es dieses Gedicht übrigens auch vom Rilke Projekt. Z.B. hier auf Spotify.

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